Penis-Monologe

Anscheinend darf man das Wort nun in den Mund nehmen: ‘Penis’. Der Kultursender ARTE sendet einen Beitrag namens ‘Penis-Monologe’ und im Karlsruhe Sandkorn-Theater feiert im Oktober ein Stück desselben Namens Premiere.

Die weibliche Entsprechung ist schon lange in der Öffentlichkeit präsent. Die ‘Vagina-Monologe’ der New Yorker Theaterautorin Eve Ensler werden seit Jahren auf der Bühne gespielt und gefeiert. Auch ein gleichnamiges Buch ist in vielen Sprachen übersetzt worden.

…Dieses Stück ist entstanden, weil ich anfing, mir über die Vagina Sorgen zu machen. Bei mir fangen die meisten Dinge so an - etwas macht mir Sorgen. Ich machte mir Sorgen darüber, was wir über Vaginas denken, aber noch mehr beunruhigte mich, daß wir nicht über sie nachdenken. Auch um meine eigene Vagina machte ich mir Sorgen. Sie bräuchte die Gesellschaft anderer Vaginas, eine Gemeinschaft, eine Kultur von Vaginas. Sie sind von so viel Dunkelheit und Heimlichtuerei umgeben - wie das Bermudadreieck. Auch von da taucht keiner wieder auf. …
Eve Ensler; Die Vagina Monologe

Aus Sicht des Sexualtherapeuten ist es sehr begrüssenswert, daß der Bereich ‘Unten rum’ nun auch konkret benannt werden darf. Es mag sich sogar um einen Akt der Emanzipation zu handeln. Auch wenn teilweise kontrovers diskutiert wird, ob die Benennung bestimmter Körperteile und Körpervorgänge eine politische Wirkung haben kann. Dem vielbesprochenen Roman ‘Feuchtgebiete’ von Charlotte Roche wird nachgesagt, die Grenzen des guten Geschmacks weit überschritten zu haben. Der Roman polarisiert: man kann ihn lieben oder hassen. Jedenfalls findet Roche deutliche Worte:

…Meine Mutter hat auf meine Muschihygiene immer großen Wert gelegt, auf die Penishygiene meines Bruders aber gar nicht.…
Charlotte Roche; Feuchtgebiete

In der Sexualtherapie begegnet mir immer wieder die Sprachlosigkeit im Bereich der Sexualität. Paare finden oftmals keine geeignete Begrifflichkeit, um sich über ihre Sexualität, ihre Wünsche und Bedürfnisse oder über ihre Abneigungen oder Verletzungen auszutauschen. Obgleich das Thema Sexualität in den Medien omnipräsent ist, herrscht in den realen Zweierbeziehung oft Zurückhaltung oder Scham. Wenn man über etwas nicht reden kann, wie soll sich etwas verändern? Wie kann man bekommen, was man möchte, wenn man es nicht aussprechen kann.

Es ist hilfreich, eine Sprache für die Liebe zu entwickeln. Es ist gut, Worte zu benutzen - auch die Worte, die lange tabuisiert wurden. Worte, die verboten waren: ‘Das sagt man nicht! Darüber spricht man nicht!’. Das klingt Vielen noch in den Ohren - oder? Man tut gut daran, sich gemeinsam auf die Suche zu machen nach Worten, die das Unaussprechliche ans Tageslicht bringen. Worte, die die Liebe schmücken. Worte, die man gerne verwendet.

Es ist gut, ‘darüber’ zu reden. Raus aus der Sprachlosigkeit, die in der Sexualität doch sehr verbreitet ist. Es bleibt spannend, ob aus den Monologen auch ein Dialog entstehen wird. Wünschenswert wäre es…

Programmtipp: ARTE Themenabend Mann, oh Mann!
Premiere: Sandkorn Theater
Charlotte Roche auf You Tube
Wikipedia: Vagina-Monologe
SWR-Interview mit Claudia Haarmann: Unten rum - Die Scham ist nicht vorbei


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Volker Kalmbacher
Praxis für körperorientierte
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