Pubertät und Neuroplastitizität
Unser Gehirn wird ständig umgebaut, an sich verändernde Lebenssituationen angepasst und optimiert. Dieser Prozess dauert ein Leben lang. Aus Sicht der Psychotherapie ist das eine extrem gute Nachricht. Die Neuroplastizität begründet die Fähigkeit zur Veränderung.
Der Mensch kann lernen, Emotionen auf neue Art und Weise zu verarbeiten. Er kann lernen, sich selbst anders zu erleben und anders zu fühlen. Er kann neue Erfahrungen machen und diese für sich selbst in Besitz nehmen, also integrieren. Es kann sich tatsächlich etwas verändern.
Durch die modernen bildgebenden Verfahren der Hirnforschung wird die Neuroplastizität derzeit intensiv erforscht. Dabei stellt sich jetzt heraus, dass während der Pubertät eine Großbaustelle im Gehirn entsteht. Und das hat Konsequenzen, die jeder spürt, der mit pubertierenden Menschen konfrontiert wird.
Wer ist eigentlich dieser fremde Mensch, der bei uns am Tisch sitzt, der alles besser weiß, der zu allem etwas zu sagen hat und diese unerklärlichen Stimmungsschwankungen zeigt?
Wie bei jeder Baustelle kommt es während des Umbaus im Gehirn zu massiven Beeinträchtigungen der Alltagsfunktionen. Dies zu wissen, kann helfen, mehr Verständnis zu entwickeln. Und Verständnis ist dringend nötig. Irgendwann kommen die Umbauarbeiten auch wieder zum Ende – und dann ist da ein interessanter ‘neuer’ Mensch entstanden.
Artikel auf Spiegel online: Wie die Pubertät den Körper verändert