Coaching oder Therapie?
Coaching wird manchmal als Therapie für Manager bezeichnet. Ist das richtig?
Die klassische Definition von Therapie im medizinischen Sinn, ist die Behandlung von Krankheiten mit dem Ziel der Heilung. Heilung wurde verstanden als die Wiederherstellung der ursprünglichen Funktion.
Das klassiche Coaching versteht sich als eine Massnahme zur Leistungssteigerung und hat seine Wurzeln im Sport. Methoden, die einen Sportler zu mehr Leistung verhelfen können, wurden auf Führungsfragen im Management angewandt. Der Erfolg von Coaching lag darin, Ziele erreichen zu können, die vorher nicht erreichbar schienen.
Nun hat sich Coaching weiter entwickelt. Nicht nur Top-Manager nutzen Coaching und Coaching wirkt nicht nur im beruflichen Kontext. Coaching wurde vielmehr bis weit in den privaten Bereich weiterentwickelt. Es ist auch nicht mehr tabu, bis in die intimen Strukturen der Persönlichkeit vorzudringen.
Therapie ist ein Weg der Heilung. Ein Ansatz dazu ist die Heilung durch Ganz-werden. Die Integration verschiedener Anteile des eigenen Selbst zu einem Ganzen. Der Mensch ist ein komplexes, sich selbst regulierendes System. Gesundheit (seelisch wie körperlich) entsteht, wenn alle Teile dieses Systems zusammenspielen, jeder Teil zu Wort kommt, seinen Platz ausfüllt, zum Ganzen beiträgt. Dazu ist gute Kommunikation nötig. In der Hakomi-Methode beispielsweise geschieht eben diese Kommunikation auf besondere Art und Weise – in einer wohlwollenden, annehmenden und unterstützenden Haltung. In innerer Achtsamkeit, gewaltfrei, integrierend.
Coaching ist ein Ziel- und Ressourcenorientierter Beratungsprozess. Zunächst werden Ziele formuliert – spürbar, attraktiv, messbar.
Coaching zielt auf eine Steigerung der Leistungs- und Lernfähigkeit anderer. Coaching beruht nicht auf einseitiger Instruktion, sondern vielmehr auf Hilfe zur Selbsthilfe durch dynamische Interaktion.
Mark Landsberg; Das Tao des Coaching
Ein wichtiger Grundsatz dabei lautet: Die angestrebten Ziele und Veränderungen müssen ökologisch sein. Ökologie bedeutet hier den Schutz eines funktionierenden Systems.
Das bedeutet: Hindernisse (innere oder äussere) werden nicht bekämpft oder ignoriert, sondern beachtet. Auch hier wieder: Eine Begegnung mit Achtsamkeit, gewaltfrei und integrierend.
Daher ist der Hakomi-Ansatz – eigentlich eine körperorientierte Psychotherapie – auch im Coaching gut aufgehoben. Und ist eine Methode unter vielen. Im Coaching arbeite ich ausserdem mit den Kommunikations- und Veränderungsmodellen des Neuro-Linguistischen-Programmierens. Und mit meinen Erfahrungen und Beobachtungen aus 10jähriger Arbeit als Manager in Industrieunternehmen.
Therapie und Coaching sind so verschieden nicht. Der Übergang ist gleitend. Eine Wechsel ist in beide Richtungen möglich und sinnvoll. Aber Bewusstsein ist wichtig!