Blütenblätter
Eine Frage an Sie, wenn Sie eine Frau sind:
Wie sieht Ihre Blüte aus?
Viele Frauen können dazu nichts – oder nur wenig – sagen. Vielleicht haben sie noch nicht so genau hingeschaut? Vielleicht fehlen die richtigen Worte? Wie beschreibt frau das ‘Da unten’?
Oft ist eine gehörige Portion Unsicherheit und Scham im Spiel, wenn es darum geht sich diesem verborgenen Körperteil zu nähern. Viele Frauen denken, das ihre ‘Blüte’ irgendwie nicht richtig ist. Nicht symmetrisch genug. Zu groß. Zu klein. Die Lustlippen (besser als Schamlippen – oder?) hängen zu tief. Undsoweiter. Auch Schuldgefühle sind mit den eigenen Genitalien verbunden.
Betty Dodson – die amerikanische Sexualwissenschaftlerin und Autorin von Büchern wie ‘Sex for One: The Joy of Self-Loving’, ‘Orgasms for Two: the Joy of Partnersex’ beschreibt in einem Interview: ‘Bis zum Alter von 35 Jahren lebte ich in der Überzeugung, dass meine Pussy missgebildet ist. Und zwar, weil ich zuviel masturbiert habe. … Die Heilung von dieser Überzeugung dauerte etwa 30 Minuten, als ich nämlich zum ersten Mal Bilder von anderen Pussys ansah.’
Wir glauben heute viel zu wissen über Anatomie und Funktion der Genitalien. Sexualaufklärung hat aber auch heute noch nicht all zuviel mit der Realität – und deren Vielfalt – zu tun. Entweder sehen wir medizinische Fachzeichnungen, die meist ideal geformte, symmetrische und stark vereinfachte Abbildungen darstellen. Oder wir beziehen unser Wissen aus dem Konsum von pornographischen Darstellungen. Die dort gezeigten Models sind genauso realitätsnah wie die Mode-Models vom Laufsteg. Schamhaare existieren nicht, Haut wird aufgehellt oder abgetönt, es wird gestrafft oder geschnitten. Anus-Bleaching ist im Trend, wenn man den Berichten aus der Sexindustrie glauben kann. Und mit diesen Bildern vergleichen wir uns dann – Männer wie Frauen.
In seinem Buch ‘Petals’ zeigt der Photograph Nick Karras die Genitalien von 48 Frauen. Real existierende Vulvas von ganz normalen Frauen. Keine Models, nicht gleichförmig, nicht ideal – dafür aber echt. Der zuhörige Dokumentarfilm auf DVD lässt die Frauen zu Wort kommen und bietet ausführliche Hintergrundinformationen. Gerade ist der Fotoband bei Zweitausendeins in deutscher Übersetzung erschienen.
Meine Empfehlung für Frauen, die sich selbst akzeptieren und lieben möchten. Ich habe ein Exemplar in der Praxis – sie können gerne mal reinschauen.